My First Fitbit

Zeitiger ins Bett? Gelächter!

Ein normaler Morgen während der Schulzeit sieht ungefähr so aus: Ich wecke die Jungs um 6:30 Uhr mit Flüstern, Streicheln, „Guten Morgen.“-Wünschen und manchmal feuchten Küssen. Dann gehe ich ins Zimmer ihrer Schwester und wiederhole das Ganze. Zurück im Zimmer der Jungs hat sich rein gar nichts bewegt. Vielleicht hat sich einer von beiden die Decke noch ein Stück weiter über den Kopf gezogen. Mehr Regung ist nicht  wahrzunehmen. Also ziehe ich das Rollo ein Stück hoch und erhalte sofort Verfluchungswünsche und Aufschreie, als hätte ich Draculas Sarg direkt in der prallen Sonne geöffnet. Wie so ein Vampirjäger muss ich mich nun gut hüten, um nicht gebissen zu werden. Es stöhnt und ächzt, Decken werden theatralisch zur Vollvermummung genutzt, aber aufstehen will keiner.

„Tja, Jungs. Dann müsst ihr abends eben ein bisschen zeitiger ins Bett gehen.“ Random. Das sage ich nämlich auch jeden Tag.

Aber sind wir mal ehrlich. Die Jungs sind frühzeitig im Bett. Um 20 Uhr ist Schicht im Schacht und sie müssen zumindest in ihren Betten liegen. Dass man aber nicht auf Knopfdruck schlafen kann ist hinlänglich bekannt. Also hören sie noch ein oder zwei Hörspiele. Meist dauert es aber schon eine viertel Stunde, bis sie sich auf eine Geschichte geeinigt haben. Also 20.15 Uhr. Beim erneuten Gang zur Toilette wird wieder festgestellt, dass es draußen ja noch taghell ist. An Schlaf ist also nicht zu denken.

Im Internet habe ich nach Tabellen mit Richtwerten für die idealen Schlafenzeiten gesucht und auch gefunden. Das praktische daran: Ich kann mir aussuchen welche mir am besten gefällt. Eine wirklich einhellige Meinung gibt es nämlich nicht. Grob kann man sagen: Kinder zwischen 6 und 10 Jahren – also im Grundschulalter – sollen idealerweise 10 Stunden Nachtschlaf bekommen. Das hieße bei einer Aufstehzeit von 6.30 Uhr, dass sie Punkt 20:30 Uhr bitte schlafend umfallen sollen, nicht in der Nacht aufwachen und schon gar nicht aufs Klo gehen sollten. Ich lache immer noch.

Also hab ich mir meine Jungs mal über einige Wochen genauer angeguckt. Schlafen sie am Wochenende wirklich 10 Stunden, wenn sie nicht um 6:30 Uhr aufstehen müssen? Sind die ausgeglichener, fröhlicher, kompromissbereiter oder versprühen Glitzerwölkchen, wenn sie mehr als 10 Stunden geschlafen haben?

Ich nehm‘s mal vorweg: Nein!

Es kommt schon vor, dass sie am Wochenende tatsächlich mal 10 Stunden schlafen. An ihrer Laune ist das aber nicht erkennbar. Das Morgenmuffelkind ist auch nach 10 Stunden morgenmuffelig und das Plappermaul plappert nach 10 Stunden genau so munter wie nach 8 Stunden.

Einen deutlichen Unterschied macht aber alles, was weniger als 7 Stunden Schlaf beträgt. Das kommt sehr selten und nur in Ausnahmefällen, wie zum Beispiel bei einer Übernachtung in der Schule, vor. Dann habe ich hier wahre Zombies Zuhause, die bei der kleinsten Ansprache oder Bitte um etwas Hilfe in Tränen ausbrechen, null Kompromissbereitschaft zeigen und reizbar, wie eine Löwenmutter der man die Jungen weggenommen hat, sind. Um es mal auf den Punkt zu bringen: Der ganze Tag ist dann im Eimer.

Da ich nach dem allabendlichen Zubettbringen nun nicht mehr daneben sitze, bis sie endlich eingeschlafen sind, freu ich mich immer über die Schlafauswertung der Fitbit Ace, die beide Jungs tragen. Die verrät mir ziemlich genau, wann die Jungs eingeschlafen sind und wie ihre Nacht war. Für mich sehr überraschen war auch die Erkenntnis, dass meine Kinder völlig unterschiedliche Schlaftypen sind.

Der Große – 9 Jahre alt – wacht zwischen 2 und 6 Mal die Nacht auf und ist durchschnittlich eine Stunde wach. Der Kleine – 8 Jahre alt – wacht 0 bis 2 Mal auf und schläft schnell wieder ein. Dabei ist es völlig egal, ob beide den gleichen Tagesablauf und dieselben Aktivitäten hatten oder sich diese unterschieden.
Die roten Strichen kennzeichnen die Wachphasen in der Nacht, die hellblauen die unruhigen Phasen und der dunkelblaue Bereich ist der erholsame Schlaf. Das grüne Sternchen verrät mir, ob das gewünschte Schlafziel von 8 Stunden – das ich im Vorfeld selber eingestellt habe – erreicht wurde.

Ein schönes Beispiel ist hier der vergangene Montag:

Alex und Max sind nahezu gleichzeitig eingeschlafen und auch wieder aufgewacht. Grundsätzlich könnte man meinen, Max hat 8 Minuten weniger geschlafen als Alex. Da Alex aber häufiger und länger wach und ruhelos war, hat er unterm Strich ganze 33 Minuten weniger geschlafen, als sein Bruder.

Ich bin sehr gespannt, wie sich das Schlafverhalten jetzt in den Ferien entwickeln wird. Noch sind beide auf Schulzeiten programmiert, aber ich rechne damit, dass sich das in den nächsten Tagen von alleine regulieren wird. Und dann habe ich vielleicht auch mal eine zuverlässige Quelle die mir verrät, wie viel Schlaf die Jungs wirklich brauchen, um ausgeschlafen und erholt zu sein.

Wer jetzt auf gute Tipp gehofft hat, wie er sein Schulkind zeitiger zum Schlafen bewegen kann, den muss ich leider enttäuschen. Ich könnte jetzt Ratschläge wie „Früher ins Bett schicken“ und „eine reizarme Umgebung schaffen“ geben, aber haben Sie schon mal hellwach in einer reizarmen Umgebung an die Decke gestarrt? Sind sie davon schneller eingeschlafen? Dann doch lieber noch selber eine Geschichte lesen oder ein Hörspiel hören. Der Schlaf holt sie dann von ganz alleine …

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